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Der stellvertretender Verteidigungsminister Thomas Hitschler (SPD) besucht den Gemeinschaftskunde Unterricht der 10d

UnbenanntDas seit zwei Jahren vorherrschende Thema Corona ist einer neuen Thematik gewichen. Einer Thematik, die alles andere von der Titelseite verdrängt. Der völkerrechtswidrige Angriff Putins auf die Ukraine.

Dieser Krieg deutete sich an und doch schwang am 24. Februar 2022 ein entsetzter Unterton mit, wenn man das Geschehene aussprach. An diesem Schock hat sich auch mehr als vierzehn Tage später nichts geändert.

In der Schule hatte man zeitweise den Eindruck einigen Schüler*innen würde die Tragweite dieses Angriffs erst richtig bewusst werden, als einige Lehrkräfte so ehrlich und offensichtlich besorgt über die Lage sprachen oder als am Freitag eine Schweigeminute von den Schülersprecher*innen organisiert worden war. 

In solchen Zeiten tut es gut zu reden, über das Geschehene zu diskutieren, aber noch besser ist es mit jemandem zu reden, der tatsächlich weiß, wovon er spricht. 

Vor allem im Gemeinschaftskunde-Unterricht hatten wir uns natürlich schon mit der aktuellen Lage befasst. Hier hatten wir zu dem Ukraine-Russland-Konflikt eine Konfliktanalyse durchgeführt und haben uns zum Beispiel überlegt, welche Möglichkeiten die Konfliktparteien gerade haben. Doch nun hatten wir die Chance mit einem Politiker zu sprechen, der die weltpolitische Lage im Moment besser einzuordnen weiß als wir. Einer, der ernsthafter und faktenbasierter über mögliche Lösungsansätze nachdenkt und sich wahrscheinlich weniger schnell von einem hitzigen Kopf oder einer trotzigen: „Jetzt ist doch sowieso alles egal“- Haltung mitreißen lässt. 

Am 8. März besuchte uns Thomas Hitschler, der parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums der Verteidigung und damit der stellvertretende Verteidigungsminister unseres Landes. Der SPD-Politiker ist seit 2013 Mitglied des deutschen Bundestags und war via Webkonferenz zu unserem Unterricht zugeschaltet.

Herr Hitschler tritt weder gehetzt noch übermüdet auf, obwohl es kein Geheimnis ist, dass er exakt 50 Minuten Zeit hat, ehe er wieder zum aktuellen Tagesgeschäft zurückkehren muss. Zweimal spielt er im Scherz auf seine Augenringe an und uns wird durch diese scherzhafte Randbemerkung trotzdem klar, wie anstrengend und nervenraubend sein Alltag gerade sein muss. Möglicherweise ist es der Umstand, dass er mit unserem Klassenlehrer Herr Joost befreundet ist- der Grund weshalb dieses Gespräch überhaupt zustande kam- vielleicht ist er aber auch einfach so: Hitschler ist sehr offen und die Atmosphäre während der gesamten Gesprächs weder angespannt noch zu offiziell. 

Natürlich ist das vorherrschende Thema des Gesprächs die aktuelle politische Lage, mit all ihren unterschiedlichen Blickwinkeln und Randthemen. Die Fragen der Klasse führen von Fragen über die deutsche Waffenlieferung in die Ukraine, über die Diskussion einer etwaigen Wehrpflicht, bis hin zum globalen Handel mit Russland und die europäischen Sanktionen mit deren Wirkungen bzw. deren ausbleibenden Wirkungen. Das Gespräch kommt hierbei nie ins Stocken. 50 Minuten stellt die Klasse beharrlich Fragen und das Interesse bleibt riesig. 

Thomas Hitschler beantwortet alles und stellt auch Rückfragen, deren Antworten ihn ehrlich zu interessieren scheinen. Zum Beispiel, was wir als Jugendliche von einer allgemeinen Wehrpflicht halten würden, oder was unserer Meinung nach mit den 100 Milliarden Euro angestellt werden sollte, die der Bundeswehr jüngst zugesichert wurden. 

Herr Hitschler muss diese Fragen schon oft beantwortet haben, dennoch verfällt er überraschend selten in eine Art „Politiker- Jargon“, der sein Gesprochenes zu seriös und abgeklärt wirken lässt. 

Außerdem erfährt man, wenn auch eher zwischen den Zeilen, viel über ihn als Politiker und Mensch. Beispielsweise bei der Einstiegsfrage, warum er Politiker werden wollte. Er berichtet aus seiner Kindheit und Jugend und gibt so einen Einblick in den Werdegang vom Klassensprecher zum parlamentarischen Staatssekretär.

Herr Hitschler betont zudem, wie wichtig es sei, auch innerhalb seiner Partei eine eigene Meinung zu haben. Gerade bei solchen Statements wird klar, welche Werte ihm in seiner Politik wichtig sind.

Erst nach dem Gespräch wird einem bewusst, wie gut es tut mit Menschen zu reden, die gerade dabei sind, sich mit den Fragen unserer Zeit ernsthaft auseinander zu setzen. Wie gut es tut zu wissen, dass kompetente und gut ausgebildete Politiker*innen versuchen, nach dem bestmöglichen Weg zu suchen, diese schreckliche Zeit zu überwinden. Es ist ein schwacher Trost, der einen immer solange in eine halbwegs optimistische Stimmung versetzt, wie einen keine neuen Nachrichten erreichen, wie man nichts Neues über das unermessliche Leid hört, welches die Bürger*innen der Ukraine während wir hier diskutieren durchmachen müssen. Das Gespräch mit dem Verteidigungspolitiker ist geprägt von den Gefühlen, die wir alle gerade haben, wenn wir unserem Alltag nachgehen. Sie sind geprägt von der Hoffnung, dass es auch weiterhin so einfach ist, Pazifist*in zu sein, wie es noch für unsere Eltern war. Und es ist geprägt von der Frage und gleichzeitig der Angst: „Was ist heute eigentlich noch undenkbar?“

Von Emma Hlobil